Meine Geschichte
Alles begann auf einem Markt in Italien
Manchmal verändert ein ganz gewöhnlicher Samstag das ganze Leben.
Im Jahr 2012 war ich mit Freunden auf dem Wochenmarkt in Domodossola. Ich liebe Märkte – so sehr, dass ich jeweils aufpassen muss, nicht zu viel Bargeld dabeizuhaben. Zwischen regionalen Spezialitäten, frischem Gemüse, Käse und italienischen Köstlichkeiten verliere ich schnell jedes Zeitgefühl.
Als wir mit unseren Einkäufen durch die Altstadt schlenderten, standen wir plötzlich vor einer kleinen Pastamanufaktur mit dem Namen Ravioli. Durch die grossen Schaufenster konnte ich direkt in die Produktion blicken. Da standen Maschinen, die ich noch nie zuvor gesehen hatte. Dahinter befand sich ein kleiner Laden mit frischer Pasta und Ravioli. Besonders beeindruckte mich, dass zahlreiche italienische Mamas geduldig vor der Theke Schlange standen.
In diesem Moment wusste ich: Genau das möchte ich auch einmal machen.
Natürlich kaufte ich dort reichlich Pasta ein. Doch viel wichtiger war, dass ich eine Leidenschaft mit nach Hause nahm, die mich bis heute begleitet.
Die ersten Versuche
Schon kurze Zeit später kaufte ich meine erste kleine Profi-Pastamaschine. Ich experimentierte mit verschiedenen Formen, trocknete meine ersten Teigwaren und stellte mir vor, wie sie eines Tages schön verpackt verkauft würden.
Die Realität holte mich allerdings schnell ein.
Die Trocknung funktionierte überhaupt nicht. Fast die gesamte Produktion zerbrach. Meine erste grosse Enttäuschung.
Doch statt aufzugeben, wollte ich verstehen, warum.
Der erste grosse Anlauf
Als es in meiner damaligen Firma beruflich immer schwieriger wurde, entschied ich mich, meinen Traum ernst zu nehmen und eine eigene Pastamanufaktur aufzubauen.
In Winterthur fand ich eine kleine ehemalige Bäckerei, die sich perfekt dafür eignete. Ich investierte in grössere Maschinen, richtete die Produktion ein und wagte den Schritt in die Selbstständigkeit.
Die Investitionen waren enorm.
Leider zeigte sich bald, dass nicht jede Maschine meinen Erwartungen entsprach. Besonders das Trocknen entwickelte sich zu einer echten Herausforderung. Für rund 11’000 Franken kaufte ich einen professionellen Trocknungsschrank – überzeugt davon, dass nun alles funktionieren würde.
Doch wieder musste ich viele Kilogramm Pasta entsorgen. Manche brachen bereits während der Trocknung auseinander, andere erst später beim Kochen.
Es waren frustrierende Monate.
Mit der Zeit lernte ich andere Produzenten kennen. Viele erzählten von ganz ähnlichen Erfahrungen. Mir wurde klar, dass es für viele Probleme keine einfache Anleitung gab. Wer gute Pasta herstellen will, muss bereit sein zu lernen, zu experimentieren und manchmal auch zu scheitern.
Ein Traum macht keine Pause
Kurz darauf wurde die Bäckerei verkauft.
Damit endete mein erstes grosses Kapitel als Pastamacher. Schweren Herzens verkaufte ich den grössten Teil meiner Maschinen – weit unter ihrem eigentlichen Wert – und kehrte zurück in den Büroalltag.
Von aussen betrachtet war wieder alles normal.
Doch innerlich war es das nie.
Die Pasta liess mich nicht los.
Zu Hause stellte ich weiterhin Pasta und Ravioli von Hand her. Immer wieder dachte ich darüber nach, wie ich manches heute anders machen würde. Die Leidenschaft war nie verschwunden. Sie hatte einfach auf den richtigen Zeitpunkt gewartet.
Warum ich zurückgekommen bin
Mit den Jahren wurde mir etwas immer klarer.
Ich hatte einen sicheren Bürojob, ein gutes Einkommen und alles, was man vernünftigerweise haben sollte.
Aber ich vermisste etwas Entscheidendes.
Ich wollte wieder etwas mit meinen Händen erschaffen. Ich wollte am Abend sehen können, was ich den ganzen Tag geschaffen hatte. Ich wollte Lebensmittel herstellen, die Menschen Freude bereiten.
Nicht einfach arbeiten.
Sondern etwas Sinnvolles tun.
Jetzt beginnt das schönste Kapitel
Heute bin ich zurück.
Mit mehr Erfahrung, mehr Geduld und deutlich mehr Respekt vor diesem wunderbaren Handwerk.
Ich habe einen Maschinenlieferanten gefunden, der mich ehrlich berät und mich unterstützt. Das macht einen riesigen Unterschied.
Auch das Trocknen ist für mich noch immer eine spannende Herausforderung. Aber genau das macht dieses Handwerk so faszinierend. Jede Charge lehrt mich etwas Neues.
Mein Ziel?
Die bestmögliche Pasta herzustellen.
Und mit einem Augenzwinkern sage ich manchmal: Vielleicht werde ich ja einmal der beste Pasta-Trockner der Schweiz.
Für August ist die Eröffnung meiner neuen Pastamanufaktur geplant.
Besonders glücklich macht mich, dass ich wunderschöne Räumlichkeiten gefunden habe. Als die Eigentümer – eine Familie mit italienischen Wurzeln – von meiner Idee hörten, waren sie sofort begeistert. Dieses Vertrauen bedeutet mir sehr viel.
Ich weiss, dass der Weg nicht immer einfach sein wird.
Ich weiss, dass dieses Handwerk Respekt verlangt.
Und ich weiss, dass es Mut braucht, seinen Traum noch einmal zu leben.
Aber ich freue mich auf jeden einzelnen Tag.
Denn ich habe endlich das Gefühl, genau dort angekommen zu sein, wo ich schon seit diesem Samstagmorgen auf einem Markt in Domodossola hingehöre.
Wenn Sie einmal meine Pasta probieren, schmecken Sie vielleicht nicht nur Hartweizengriess, Wasser und gute Zutaten. Vielleicht schmecken Sie auch ein Stück meiner Geschichte. Denn jede Pasta, die meine Manufaktur verlässt, erinnert mich daran, warum ich diesen Weg ein zweites Mal gegangen bin.


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